Gedichte

 

Torsten - Fotos & Zitate

 

 

„Singt, o singt mir nur,

 

unglückweissagend,

 

ihr furchtbarn,

 

Schicksalsgötter,

 

das Lied immer und immer ums Ohr.

 

Euer bin ich zuletzt, ich weiß es,

 

doch will zuvor ich mir gehören

 

und mir Leben erbeuten und Ruhm.“

 

Friedrich Hölderlin

 

Prometheus

 

Bedecke deinen Himmel, Zeus,

Mit Wolkendunst!

Und übe, Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An Eichen dich und Bergeshöh'n!

Musst mir meine Erde

Doch lassen steh'n,

Und meine Hütte,

Die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.

 

Ich kenne nichts Ärmeres

Unter der Sonn' als euch Götter!

Ihr nähret kümmerlich

Von Opfersteuern

Und Gebetshauch

Eure Majestät

Und darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Toren.

 

Da ich ein Kind war,

Nicht wusste, wo aus, wo ein,

Kehrt' ich mein verirrtes Auge

Zur Sonne, als wenn drüber wär

Ein Ohr zu hören meine Klage,

Ein Herz wie meins,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

 

Wer half mir

Wider der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich,

Von Sklaverei?

Hast du's nicht alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest, jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden dadroben?

 

Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Tränen gestillet

Je des Geängstigten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herren und deine?

 

Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehn,

Weil nicht alle Knabenmorgen-

Blütenträume reiften?

 

Hier sitz' ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, weinen,

Geniessen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich!

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

„Einmal jedes, nur einmal.

 

Einmal und nicht mehr.

 

Und wir auch nur einmal. Nie wieder.

 

Aber dieses einmal gewesen sein,

 

wenn auch nur einmal: irdisch gewesen zu sein,

 

scheint nicht widerrufbar.“

 

Rilke

 

 

Danach

 

 

Es wird nach einem happyend

im Film jewöhnlich abjeblendt.

Man sieht bloß noch in ihre Lippen

den Helden seinen Schnurbart stippen -

da hat se nun den Schntelmen.

Na, und denn - ?

 

Denn jehn die beeden brav ins Bett

Naja .... diß is ja auch janz nett.

A manchmal möchte man doch jern wissen:

Wat tun se, wenn se sich nich kissen?

Die könn ja doch nich immer penn .... !

Na, und denn - ?

 

Denn säuselt im Kamin der Wind.

Denn kricht det junge Paar 'n Kind.

Denn kocht se Milch. Die Milch looft drüba.

Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.

Denn wolln sich beede jänzlich trenn ....

Na, und denn - ?

 

Denn is det Kind nich uffn Damm.

Denn bleihm die beeden doch zesamm.

Denn quäln se sich noch mache Jahre.

Er will noch wat mit blonde Haare:

vorn doof und hinten minorenn ....

Na, und denn - ?

 

Denn sind se alt.

Der Sohn haut ab.

Der Olle macht nu ooch bald schlapp.

Vajessen Kuß und Schnurbartzeit -

Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!

Wie der noch scharf uff Muttern war,

det is schon beihnah nich mehr wahr!

Der olle Mann denkt so zurück:

wat hat r nu von seinen Jlück?

Die Ehe war zum jrößten Teile

vabrühte Milch und Langeweile.

Und darum wird beim happy end

im Film jewöhnlich abjeblendt.

 

Kurt Tucholsky

 

IM HERBST

 

 

Liebt ungestüm und wild

 

bis eure lust gestillt

 

seid nicht bedächtig und nicht klug

 

denn euer herbst kommt früh genug.

 

 

 

GILBERT LEROME

Nachdichtung:

Harald Hauser